Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Sie wird gemäß ICD-10 und DSM-V definiert.1-4 Die drei im Vordergrund stehenden Anzeichen einer ADHS sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität.5,6

Je nach Ausprägung der Symptomatik werden nach DSM-V drei klinische Ausprägungen unterschieden: der vorwiegend hyperaktiv-impulsive, der vorwiegend unaufmerksame (auch als ADS bezeichnet) und der gemischte Typ.

Symptome der ADHS müssen gemäß ICD-10 bereits vor dem siebten Lebensjahr aufgetreten sein, um die Erkrankung diagnostizieren zu können. Bei bis zu zwei Dritteln der Betroffenen bestehen Symptome auch noch im Erwachsenenalter fort.7-9

 

Wie viele Kinder bzw. Jugendliche haben ADHS?

Weltweit sind durchschnittlich etwa 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Kulturen von ADHS betroffen.10 Zwischen Nordamerika, Europa, Afrika, Asien und Südamerika gibt es keine bedeutsamen Häufigkeitsunterschiede.

Gemäß einer repräsentativen Schätzung des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland 4,8 Prozent der 3- bis 17-Jährigen von einer ADHS betroffen. Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen.11

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen der ADHS sind nicht endgültig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenwirken von genetischen und neurobiologischen Faktoren.12,13

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Umwelteinflüsse, wie z. B. Alkohol- und Nikotineinwirkungen im Mutterleib, einen Einfluss auf die Entstehung einer ADHS haben können. Psychosoziale Faktoren können den Ausprägungsgrad und den Verlauf der Störung beeinflussen.12,13

Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien zeigen, dass eine Veranlagung für ADHS in hohem Maße vererbt wird.12,13

Quellen

  1. Pliszka S and the AACAP Work Group on Quality Issues. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2007; 46(7): 894-921.
  2. Bloom B et al. Vital Health Stat 10. 2011;(250):1-80.
  3. McCarthy S et al. BMC Pediatr. 2012;12:78.
  4. International Classification of Diseases, 10th ed., (ICD-10). World Health Organization 2007:Chapter F90. Accessed August 2012 at: http://apps.who.int/classifications/icd10/browse/2010/en#/F90-F98.
  5. American Academy of Pediatrics. Pediatrics 2000; 105: 1158–70.
  6. Taylor E et al. European Clinical Guidelines for Hyperkinetic Disorders – first upgrade. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2004;13(1):I7-30.
  7. Barkley RA. Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment. 1990. New York: Guilford.
  8. Biederman J et al. Arch Gen Psychiatry 1996; 53: 437-446.
  9. Claude D, Firestone P. Can J Behav Sci 1995; 27: 226-249.
  10. Polanczyk G et al. The worldwide Prevalence of ADHD: A Systematic Review and Metaregression Analysis. Am J Psych. 2007; 164(6):942-948.
  11. Schlack R et al. Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsschutz. 2007, 50:827-835.
  12. Schmid G. Ätiologie, in: Kahl KG, Puls JH, Schmid S (Hrsg.). Praxishandbuch ADHS. Georg Thieme Verlag. Stuttgart. New York; 2007:7-10.
  13. Banaschewski T et al. Neurobiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-störung (ADHS). Kindheit und Entwicklung; Juli 2004,13(3):137-147.